Fünf Fragen zur Praxis 4.0

Der VDB – Berufs-und Wirtschaftsverband der Selbständigen in der Physiotherapie hat KOLATUS 5 Fragen gestellt. Wir sind wie folgt hierauf eingegangen.

Hinweis
Dieser Artikel ist exklusiv in der Ausgabe 01/ 2018 der „Therapie + Praxis“ erschienen. Die Zeitschrift ist das Hausmagazin des VDB – Berufs-und Wirtschaftsverband der Selbständigen in der Physiotherapie.

1. Was sind die wichtigsten Bausteine für ein erfolgreiches Unternehmen im Heilmittelbereich?

Grundsätzlich müssen die Grundvoraussetzungen stimmen. Neben einer starken Persönlichkeit des Inhabers/ Geschäftsführers, der richtigen Qualifikation aller Beschäftigten und deren Motivation sowie der korrekten Vertragsverhältnisse sind die Patienten und ein Zielgruppen-entsprechendes Geschäftsmodell von grundlegender Bedeutung. Ganz wichtig: die Praxisführung. Welche EDV-Ausstattung (PC, Software, Abrechnungssysteme) sind vorhanden und sind diese untereinander kompatibel sowie sicher? Sind Vertretungsregelungen und ein Qualitätsmanagement vorhanden? Gibt es einen Notfallplan falls der Chef plötzlich ausfällt? Werden den Mitarbeitern geeignete Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen geboten? Alles Fragen, mit denen ich mich als Unternehmen im Heilmittelbereich intensiv beschäftigen sollte. In der heutigen Zeit sollte zudem neben der Empathie für die eigenen Patienten auch ein gewisses digitales Verständnis vorhanden sein. So sollte man sich den potenziellen Risiken verstärkt widmen aber auch die Chancen digitaler Maßnahmen für die eigene Praxis erkennen.

Natürlich bildet der betriebswirtschaftliche Rahmen bei all dem das Fundament einer jeden Unternehmung. Ohne eine existenzielle Sicherheit nützen die besten Grundvoraussetzungen wenig. Vielmehr gilt es einen ausreichenden finanziellen Rahmen sowie geeignete Sicherheitsmaßnahmen zu implementieren. Dies gilt sowohl für das Unternehmen selber und dessen Anlage-/ Umlaufvermögen sowie Unternehmensaktivitäten (s. Grafik) als auch für den Inhaber/ Geschäftsführer und dessen Mitarbeiter (s. Grafik). Hier ist es wichtig, einen geeigneten Partner an der Seite zu haben.

2. Welche Rolle spielt der Standort?

Der Standort als solches spielt eine große Rolle, natürlich aber auch abhängig vom Geschäftsmodell des Heilmittelerbringers. Haben Sie als Heilmittelerbringer vermehrt ältere Patienten, macht es Sinn, einen Standort zu wählen, der auch für Ältere gut zu erreichen ist, Stichwort „barrierefreie Infrastruktur“. Haben Sie hingegen junge Patienten und können Sie mit Qualität überzeugen, werden Ihre Patienten auch gewillt sein, eine ggf. längere Anreise in Kauf zu nehmen. Grundsätzlich sollten aber folgende Faktoren bei der Standortwahl berücksichtigt werden: Einzugsgebiet, Grundstück und Grundstücksgröße, notwendige behördliche Auflagen und Genehmigungen, Versorgung, Arbeitskraftbeschaffung, Konkurrenz, Kosten, Kundennähe und die Verkehrsanbindung zum Standort.

3. Welche Investitionen lohnen sich?

Eine Investition lohnt sich immer dann, wenn sie zum Geschäftsmodell passt, wenn sie im Baustein „betriebswirtschaftlicher Rahmen“ berücksichtigt wurde und unter dem Aspekt von Kosten/ Nutzen sowie Risiken/ Chancen die Existenz des Unternehmens nicht gefährden kann. Unternehmen aus dem Heilmittelbereich sollten heute überlegen, in Geschäftsausstattung/ -strategie, Sicherheitsmaßnahmen, Technologie, Kommunikation und/ oder professionelle Dienstleistungen zu investieren, um langfristig gut aufgestellt zu sein.

Einige Beispiele:

Geschäftsausstattung/ -strategie: Investition in z.B. einen aktiven Gesundheitsbereich zur Patientenbindungs- und Patientengewinnung.


Sicherheitsmaßnahmen: Investition in Mitarbeiterbindungsinstrumente


Neue Medien, Technologie & Kommunikation: Investition in Informationstechnologie (Cyber-Sicherheit, Hardware, Software) und Marketinginstrumente

4. Welche Auswirkungen hat der Fachkräftemangel auf die Wirtschaftlichkeit der Physio-Praxen?

Während die Nachfrage nach Heilmitteltherapie nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels steigt, beginnen immer weniger junge Menschen eine therapeutische Ausbildung. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Die Ausbildung kostet häufig Geld, ein Abschluss qualifiziert nur unzureichend und die späteren Verdienstmöglichkeiten sind nicht hoch. Absolventen eröffnen dann häufig Privatpraxen. Dadurch erhöht sich wiederum die Konkurrenz unter den Physio-Praxen. Zu Lasten der Wirtschaftlichkeit der einzelnen Physio-Praxen, die bereits jetzt unter einem erhöhten bürokratischen Aufwand zu leiden haben. Die Folge ist ein Qualitätsabfall innerhalb der Physio-Praxen, was wiederum die Versorgungssituation der Patienten enorm beeinflusst. Ein Kreislauf entsteht, dem mit geeigneten Maßnahmen entgegenwirkt werden muss.

5. Welche Tipps würden sie jungen Physiotherapeuten für eine geplante Selbständigkeit mit auf den Weg geben?

GrundsätzlichesQualitätsmanagementControllingSicherheitsmaßnahmenBuchführungSteuern
Digitales Verständnis aufbauen, sich laufend mit der Berufspolitik beschäftigen, genügend Eigenkapital miteinbringen, den richtigen (Beratungs-) Partner an der Seite haben und die Bereitschaft zur ständigen Weiterbildung.
Die Qualität einer Dienstleistung ist der entscheidende Wettbewerbsvorteil. Qualität bedeutet, mit welcher Sorgfalt und welchen Materialien wird gearbeitet. Patienten, die sich eher am Preis als an der Qualität eines Angebots orientieren, sind bereit, geringere Qualität in Kauf zu nehmen. Und umgekehrt.
Für eine erfolgreiche Praxisführung ist ein systematisches Controlling unerlässlich. Nicht ins Blaue wirtschaften und unter mangelnder Liquidität und hohen Kosten leiden, nicht genügend Kunden finden und folglich zu wenig Umsatz generieren. Durch Kontrolle analysiert man Vergangenes. Das ist wichtig, reicht aber nicht aus. Wichtiger ist Kontrolle im Voraus. Rückwirkende Kontrolle und Kontrolle im Voraus zusammen sind Controlling.
Die Devise lautet: „Risiken erkennen, verstehen & kontrollieren“. Denn die Risiken des 21. Jahrhunderts bzw. im digitalen Zeitalter sind vielfältig. Auch für junge Physiotherapeuten. Ein gutes Risikomanagement & individuelle, Physiotherapeuten spezifische Absicherungslösungen versetzen junge Physiotherapeuten in die Lage, ihre beruflichen und privaten Ziele zu verfolgen, ohne dabei überhöhte Kapitalbindungen aufzubauen oder unterversichert zu sein.
Wer seine Buchführung im Griff hat, hat auch seine Praxis im Griff. Eine ordentliche Buchführung informiert über die Ertragslage und die finanzielle Situation eines Unternehmens. Sie ist Teil des betrieblichen Rechnungswesens und zeichnet lückenlos alle Geschäftsvorfälle auf und liefert so –im Idealfall- ein exaktes Abbild aller betrieblichen Abläufe.

Schon bald nach dem Start in die Selbständigkeit erhält der Existenzgründer einen Fragebogen vom Finanzamt zur Anmeldung einer selbständigen Tätigkeit. Das Thema „Steuern“ muß deshalb schon vor dem eigentlichen Unternehmensstart auf dem Themenplan stehen:

| welche Rechtsform ist die günstigste?
| welche Steuern müssen gezahlt werden?
| wer zahlt welche Steuern und wann?

 

05. März 2018 | KOLATUS